Das so genannte Schnappschuß – Foto hat einen schlechten Ruf – zu Unrecht, wie ich meine. Und da ich nichts in den Raum stellen möchte, ohne zumindest den Versuch eines Beweises zu erbringen, will ich darauf eingehen.
Normalerweise bereitet der ernsthafte Fotograf seine Arbeit vor. Das steht außer Zweifel. Aber das hat nicht die allgemeine Gültigkeit.
Auch, wenn ich heutzutage fast ausschließlich digital fotografiere, haben bestimmte Grundsätze immer noch Geltung.
Wenn ich Portraits machen will, dann stelle ich die Bedingungen so optimal her, wie es das Umfeld zulässt. Da ist vom Stativ, indirektem Blitz bis hin zur Leiter alles vorhanden. Ein Portrait soll den Menschen, den man ablichtet, darstellen und nicht irgendein Gesicht. Da will man keinen Schatten im Hintergrund, der den Einsatz eines Blitzgerätes dokumentiert. Ein Portrait will vorbereitet sein, so wie das von meiner Tochter. Ich habe für einige Fotos, die auch ihre Zustimmung fanden, über 100 Aufnahmen gemacht. Alle Fotos wurden mit der Alpha 550 gemacht. Die 7 Bilder/ Sekunde ermöglichen es, mit dem Modell unbekümmert zu reden und so viele Posen einzufangen.
Doch kann man auch das besondere Foto machen, wenn man nicht das Studio oder studioähnliche Verhältnisse hat. Denn es gibt Motive, die Situationen sind. Momente, die nie oder nicht in dieser Form wiederkommen werden. Dort ist keine Vorbereitung möglich. Da sind das Gespür, die Erfahrung des Fotografen und sein Geschick gefragt. Doch alles das nützt wenig, wenn man das Werkzeug nicht zur Verfügung hat. Darum gilt für mich: Wenn es irgendwie möglich ist, dann nehme ich eine Kamera mit. In der Regel ist das heute eine Konica Minolta Kamera, Objektiv mit Brennweite 28 – 200 mm, Blendenautomatik voreingestellt. Die 8 Mio. Pixel – Kamera – immer in der größten Auflösung verfügbar, bringt mich in die Lage, sofort auf unerwartete Motive zu reagieren. Die große Ausrüstung wiegt um die 11 Kilo und ist nicht dazu angetan gemütlich mit der Liebsten spazieren zu gehen.
Ein Beispiel ist dieser Heißluftballon, der genau in die untergehende Sonne fährt. Ein Motiv, das man so sicher nie sieht. Ich war auf einem abendlichen Spaziergang, hatte die Kamera in der Hand – wie sooft umsonst. Bis zu dem Moment eben….
Oder ein anderes Foto, welches auf einem Markt in Tübingen gemacht wurde.
Gaukler trieben auf dem Markt ihre Späße und eine Frau war dabei riesige Seifenblasen entstehen zu lassen. Als ich erkannte, dass die Blasen den Markt von Tübingen wieder spiegelten, nahm ich meine analoge Spiegelreflexkamera und fotografierte mit Serienaufnahme eine ganze Reihe. Ich wusste von diesem Zeitpunkt an, bis zum Erhalt der entwickelten Dias nicht, ob diese Aufnahmen gelungen waren. Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen. Allerdings ist der Preis dafür ein enormer Verbrauch an Film. Mich stört das wenig, sehe ich dann 2 – 3 Aufnahmen, die ich ohne den Aufwand nie bekommen hätte.
Also Schnappschuss oder nicht Schnappschuss – das ist NICHT die Frage. Das Ergebnis zählt und? Wie sagt man so schön? PROBIEREN GEHT ÜBER STUDIEREN – UND DAS GILT AUCH FÜR` S FOTOGRAFIEREN!